Betroffenheitsverweigerung

24. August 2010 § 10 Kommentare

Fast schon täglich flattern mir Tipps ins Haus (oder ich stolpere in der Internetwelt darüber), die ich konsequent ignoriere. Vielleicht sollte ich es einfach mal deutlich sagen: Ich lese keine Bücher über und von Kranken oder Toten, ob sie nun vor (Selbst)Mitleid triefen oder auch diesen Mut der Verzweiflung und diese Stärke der letzten Hoffnung demonstrieren, die ohnehin nur Schauspiel sind.

Für Selbsthilfegruppen habe ich nichts, aber auch gar nichts übrig. (Für Angehörige halte ich sie zum Austausch in Einzelfällen für vertretbar, vermutlich aber nur, weil ich keine Angehörige bin.) Filme finde ich zum Kotzen, außer sie beschäftigen sich sachlich mit medizinischen Themen, die mich interessieren könnten, was man dann aber wohl als Dokumentation, Reportage oder ähnliches bezeichnet und nicht als Film.

Ich habe kein Interesse an Therapien, die gern als Alternative zur Schulmedizin bezeichnet werden und angeblich schon so vielen Menschen geholfen haben. Diskutieren darüber will ich auch nicht, mir ist dafür schlicht meine begrenzte Zeit zu schade. Übrigens möchte ich gar nicht über Befindlichkeiten, Krankheiten, Sterben und Tod reden, auch dann nicht, wenn es nicht um mich, sondern um irgendwen geht, den ich nicht kenne und dessen Geschichte mir egal ist. Ich suche mir selbst aus, wessen Schicksal mich berührt und berühren darf. Es gelingt dem Einen oder Anderen…

Bin ich ein Egoist? Mag sein. Ist sicher so. Aber ist das nicht mein Recht?

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§ 10 Antworten auf Betroffenheitsverweigerung

  • Sven sagt:

    Antwort auf die Frage: JA!

    Kommentar zum Beitrag: Ich sehe es genauso. Interessanterweise lesen nur Frauen solche Bücher. Männer geben sich das nicht.

  • Anja sagt:

    Ist doch verständlich, dass man sich verweigert, wenn man selbst eine „Geschichte“ hat! Aber wer nicht betroffen ist, sieht das anders. Man will sich ein Bild machen können von dem, was da abläuft, wenn man eine Diagnose kriegt und dann durch Therapien kämpft. Betroffen sein will man natürlich nicht, lieber aus der Ferne gucken.

  • Tom sagt:

    Verstehe ich gut. Es gibt angenehmere Themen als Krankheiten… 😦

  • Jojo sagt:

    Sport ist für Dich wichtiger als Krankengeschichten über Hinz und Kunz! 🙂

  • Silke sagt:

    Natürlich beschäftigen sich Nichtbetroffene mit solchen Themen – die Betroffenen brauchen ja nicht nachzulesen oder sich filmisch vor Augen führen lassen, wie man sich fühlt, wenn man krank ist und sich mit dem Überleben oder dem Sterben beschäftigen muss. Klar hat das was mit Interesse zu tun, aber durchaus auch mit Sensationsgier. Wozu schauen sich Menschen schließlich Krimis an oder Krankenhaussoaps?

  • Gina sagt:

    Unlängst hat jemand meiner Freundin eines dieser „Schicksalsbücher“ geschenkt. Ich fand´s nicht nur daneben, sondern auch überflüssig, denn schließlich erlebt meine Freundin mehr „Schicksal“ mit, als ich eigentlich für sie will. Sie hat klugerweise das Buch sinnvoller verwendet, als es zu lesen… 😉

  • Helge sagt:

    Ich verstehe das… Also nicht das mit dem Buch, das ist 🙄

  • Frau Neumalklug sagt:

    Ich versteh dich… und zwar sowas von!

  • Werner W. sagt:

    Das kann ich auch nur unterschreiben. Ich bin jetzt auch in einer blöden Situation und kann einfach nicht mehr hören, wenn mich jemand zutextet mit Tips und Tricks und Ärzten und Therapien und so.

  • monologe sagt:

    Diese Konsequenz und vor allem das konsequente, klare Dazustehen sollte man in alle Lebensbereiche stellen, dann wäre vieles bestimmter und besser. Ob man ein „Recht“ hat, Egoist zu sein? Spielt das eine Rolle? Zumindest hat man ein Recht auf Selbstbestimmung, das auch schon fast zum Teufel ist durch eben den Egoismus, der ja nicht kleckert, sondern klotzt, indem er Lebensgrundlagen zerstört. Auf deren Erhaltung zu bestehen, ist ja auch kein Egoismus, selbst dann nicht, wenn das ein einzelnes Individuum tut.

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