Arme Ärzte!

15. September 2010 § 16 Kommentare

926 Ergebnisse erzielt man, wenn man heute nach aktuellen News zu „Streik“ googelt. Auch die Halbgötter in Weiß sind heute mal wieder dabei und jammern darüber, dass sie sich ihre Porsche und Jaguar nicht mehr leisten können. Und das Ferienhaus am Comer See und die Hütte im Engadin müssen auch schon vermietet werden… Kein Wunder, wenn man ständig Praxen schließt, statt Kranke zu behandeln. Bevor uns aber nun das Mitleid aus den Poren tröpfelt, seien ein paar Fakten aufgezählt, die für Relativierung der unter den Medizinern grassierenden Neo-Armut sorgen könnte:

Die Honorare der fast 150.000 Ärzte und Psychotherapeuten in Deutschland sind zwischen 2007 und 2009 um durchschnittlich elf auf 164.000 Euro gestiegen. Das ergibt sich aus einer Auswertung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Rest der Werktätigen hätte sich über derartige Lohn- und Gehaltszuwächse sicher auch gefreut. Durchschnittwerte verdienen grundsätzlich einen zweiten Blick auf die Einzelwerte. So auch hier:  In Hamburg nämlich stiegen die Honorare der Ärzte um mehr als 24 Prozent, in Thüringen bekamen sie 23,6 Prozent mehr. Niedersachsen folgt mit gut 20 Prozent , Brandenburg mit 19 Prozent. Bevor die Mitleidstränen jetzt jedoch versiegen, sei ein Blick in den Süden riskiert. Dort darbten die Weißkittel mit lediglich 2,6 Prozent Inflationsausgleich, ihre baden-Württembergischen Kollegen durften immerhin 3,5 Prozent mehr einstreichen. Auch hier sollte der Aufschrei leise ausfallen, denn allein 2008 lag das Einkommensplus dort bei 5 Prozent.

Angemerkt werden darf,  dass der Blick auf die Zuwachsraten der Ärzte allein vor dem Hintergrund interessant sind, weil die Deutschland im vergangenen Jahre die schwerste Wirtschaftskrise ihrer Geschichte zu stemmen hatte. Die Wirtschaftsleistung sank um fünf Prozent, Kurzarbeit schob Gehaltsverhandlungen und Streikpläne in weite Ferne. Während in den Unternehmen die Angst um den Job, um die Zukunft und Existenz umging, zahlten die Krankenkassen Rekordsummen an Ärzte aus: 30,8 Milliarden Euro.

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§ 16 Antworten auf Arme Ärzte!

  • Sven sagt:

    164.000 Euro??? 😯 😥 Ob ich aus dem Kampfanzug klettern und einen weißen Kittel anziehen sollte?

  • Silke sagt:

    Ich fürchte, das betrifft nur niedergelassene Ärzte. Krankenhausidioten wie mich leider nicht… 😦

  • Vans sagt:

    Manager mit Studium verdienen deutlich mehr als 164T€!!!

  • Annette sagt:

    So. Ich weiß ja, dass alle immer auf die Ärzte schimpfen und auf uns Zahnärzte im besonderen aber ich hatte letztes Jahr ein steuerpflichtiges Einkommen von unter 50t€. und was sagt die Zahl 164.000€ eigentlich aus? Ist das Honorarumsatz, ist das vor oder nach Steuer, sind da die Praxiskosten und die Gehälter schon abgezogen oder nicht. Ich kann die blöde Gleichmacherei von Euch unwissenden Leien nicht mehr hören. Ein Hausarzt in Sachsen/Anhalt oder in Niedersachsen auf dem Land und eben ein Zahnarzt in einer Region mit reell 25% Arbeitslosen hat eben kein!!! Einkommen wie der Radiologe in München Innenstadt. Herr Jauch verdient als Journalist sicherlich auch deutlich mehr als Du… und werden deshalb alle Journalisten mit ihm gleich gesetzt? Also überlegt in Zukunft bitte etwas genauer und differenzierter worüber ihr euch aufregt!

  • Silke sagt:

    Jauch ist schon lange kein Journalist mehr! Wenn er es überhaupt mal wirklich war…

    Was hat die Arbeitslosenzahl und das Einkommen der Patienten mit dem Einkommen des Arztes zu tun? Werden Arbeitslose nicht krank? Sie bezahlen ihre Krankheit nicht selbst, sondern die Krankenkassen, also die Solidargemeinschaft tut dies! Wir lesen oben nichts von Privatliquidationen…

    Es sind Honorare, das steht oben deutlich! Welche Praxisausstattung, sprich Kosten sich der Arzt dafür leistet, ist seine Sache. Für die Mehrkosten einer Radiologie gibt es auch ein erkleckliches Mehr an Honorar!

    Gleichmacherei? Wer macht wen gleich? Ich bin Radiologin im Krankenhaus. Verdiene ich 164.000 Euro? Rate mal! Und rate mal, wieviele Stunden ich im Krankenhaus verbringe! Eine Praxis, die täglich fünf Stunden geöffnet hat und dazwischen Hausbesuche (wenn ein Arzt sie überhaupt noch macht!), würden mir auch gefallen. Stattdessen sind 36 Stunden Bereitschaftsdienste (die ich noch nicht ein einziges Mal schlafend verbracht habe, sondern arbeitend!) Standard.

    Also lass uns gemeinsam jammern. Oder einfach mal tauschen?

  • Gina sagt:

    Erhält der Münchner Hausarzt denn mehr Honorar als der in Brandenburg? Ich kann mir vorstellen, dass seine Praxiskosten (Miete, Gehälter etc) höher sind, aber sein von den Krankenkassen überwiesenes Honorar…?! Ich kann mir auch vorstellen, dass er sich mit Privatpatienten quersubventioniert – aber was hindert uns daran, Einkommenszuwächse von Ärzten mit dem von Arbeitern und Angestellten zu vergleichen? Zumal in und kurz nach der Krise?

  • Xaver sagt:

    Sorry, aber warum soll es den Ärzten und Zahnärzten in ärmeren Gebieten denn besser gehen, als der dortige Lebensstand nun mal ist? In München lebt sichs teurer, dafür sind die Einkommen höher. Nur kein Neid, der ist nicht angebracht.

  • Annette sagt:

    @Silke – Keiner hindert Dich an der Niederlassung. Willst Du keinen Krankenhausstress mehr dann mach Deine eigene Praxis auf… soll sich bei Radiologen ja lohnen.
    Übrigens ich habe 40Stunden Sprechzeit und da habe ich noch keine Verwalltung gemacht. Nicht umsonst heist Selbstständig Selbst und ständig.
    Ich jammere nicht. Ich will bloß nicht mit dem Orthopäden in Köln verglichen werden.
    @Gina – Natürlich bekommen die Ärzte in München mehr Geld für die gleiche Leistung. Ich bekomme für Lischen Müller einmal nachkucken AOK oder IKK versichert 13.98€ Und der Zahnarzt am Marienplatz für Herrn Huber (irgendeine Ersatzkasse) 16.92€ das läppert sich. Bei den Hausärzten sind die Fallpauschalen auch sehr unterschiedlich.
    Und nun erkläre mal meinen Mädels, dass ich Ihnen den West-Lohn nicht zahlen kann.

  • Schwarzwälder sagt:

    Arme Ärzte! Wir bin Techniker und wir hatten Kurzarbeit und Angst, dass der Arbeitsplatz weg ist! Von 50.000 Euro träume ich! Und ja, ich habe auch studiert! Ich bezahle im Schwarzwald für 3ZKB gute 1000 Euro Miete! Und das auf dem Land, das heißt, wir brauchen zwei Autos und natürlich viel Sprit. Jammern kann ich auch… 😉

  • Silke sagt:

    @Annette: Ich mag sie nun mal, meine Politraumatisierten… 😉

  • Carsten Pollack sagt:

    Sooo schlecht kann es den Ärzten nicht gehen. Ich kenne keinen, der in einer kleinen Mietwohung wohnt…

  • Uli sagt:

    Ich frage mich jetzt gerade, ob eigentlich um die Höhe der Medikamentenpreise auch so gefeilscht wird wie bei der Honorarvereinbarung für Ärzte? Ich habe nichts gegen gut bezahlte, fachlich kompetente, ausgeruhte! Ärzte die ihre Zeit dem Patienten widmen können und nicht damit beschäftigt sein müssen, wie sie was am Besten abrechnen, um sich noch ausreichend bezahlt zu fühlen oder Berichte zu verfassen haben, warum ein Patient einen Tag länger im Krankenhaus verweilen musste.

    @Silke: Interessant wird es in der Klinik sicher erst, wenn noch was obendrauf kommen kann – aber die Tarifgehälter : Stunden ist in der Tat na ja….. und genaugenommen wird doch immer 100%-ige Leistung und die richtige Entscheidung erwartet, da frägt keiner, ob der Arzt noch Schlaf hat oder nicht bzw. seinen Schlaf unterbrechen muss.
    Ich glaube, gegen die Geahltserhöhungen bei Klinikärzten haben die wenigsten etwas – zumindest nicht bis zu einer gewissen „Etage“ 😉

    @Annette: Verständlich, dass der Zahnarzt nicht mit einem anderen Facharzt/Hausarzt verglichen werden kann/mag. Mir ist klar, dass heute ein junger Zahnarzt der neu anfängt, eine Praxis auszustatten hat sehen muss, wo er bleibt. In den Köpfen der Menschen, zumindest in denen einer gewissen Altersschicht, zählen eben Ärzte (egal welcher Art) immer noch zu den Besserbetuchten und im Süden habe ich überhaupt keinen anderen Eindruck. Selbst der jüngste Zahnarzt, um mal bei Deinem Berufsstand zu bleiben, hat trotz neuer Praxis ein schmuckes Häuschen und ein schickes Auto und nein, ich bin nicht neidisch darauf, wer Risiko eingeht und fachlich gut ist, soll auch gut verdienen, auch sein Personal.

  • D.Zeitler sagt:

    Liebe Gina, liebe Kommentatoren,

    irgendwer ist immer maßlos. Manager, Politiker, Ärzte… Und die regen sich mit immer denselben Argumenten über die Ungerechtigkeit auf, die gerade ihnen wiederfährt. Bei denen, deren Einkommen „wir“ bezahlen (wer auch immer „wir“ ist), ist der Unmut in der Gesellschaft natürlich höher, als wenn ein Meister „beim Daimler“ soviel verdient wie ein Hausarzt in der Lüneburger Heide. Man kann trefflich darüber streiten und polemisieren. Aber dass man das tut, ist gut so, denn damit regulieren sich Märkte bekanntlich.

    Mit freundlichen Grüßen,

    D.Zeitler (weder Arzt noch Politiker und schon gar kein Manager) 😉

  • Christian sagt:

    Haben die Ärzte nicht unlängst schon mal gestreikt? Worum ging es da? Vermutlich auch wieder nur ums Geld und nicht etwa um uns Patienten… 😦

  • Sven sagt:

    Man stellt es so hin, als ginge es um die Patienten. Aber es geht im Grunde doch nur immer ums (eigene) Geld…

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