Der Tod und ich

28. September 2010 § 12 Kommentare

Notgedrungen befasse ich mich seit einer Weile mit dem Tod. Das Sterben verdränge ich dabei weitgehend, denn davon, wie das sein könnte, habe ich mehrfach eine relativ gute Vorstellung bekommen. Es war (in meinem Fall) nicht wirklich schlimm, aber auch nicht gerade angenehm. Doch ich stelle es mir schön vor, tot zu sein. Keine Hektik, kein Stress, kein Lärm, keine Aggression, keine Schmerzen, keine Gedanken mehr rund um was auch immer. Einfach nur Stille, Ruhe, Schwerelosigkeit.

Ich bin mir bewusst, dass diese Aussage von manchen als „suizidal“ eingestuft wird. Die, das halte ich dagegen, haben keine Ahnung (oder kein Verständnis) und sollten sich – frei nach Dieter Nuhr – vielleicht besser nicht zu diesem Thema äußern. Es ist mein Thema. Mal mehr, mal weniger, aber schon eine Weile und möglicherweise noch eine Weile länger. Suizidal? Warum? Weil ich ausspreche, was viele sich nicht zu denken trauen? Weil es ein Tabuthema ist, das einen durchaus in die Psychiatrie bringen kann? Quatsch! Leider hält sich dieser Blödsinn hartnäckig, was ihn nicht wahrer macht. Glücklicherweise dürfen wir Menschen uns mit dem Tod befassen, sogar Todessehnsucht spüren und dies auch kund tun, ohne gleich „in der Klapse“ zu landen. Die Psychiatrien würden wegen Überfüllung geschlossen, wenn jeder jeder, der über das Ende seiner biologischen Existenz nachdenkt, dort eingeliefert würde.

Leben wäre doch eine gute Alternative!, höre ich als nachvollziebaren Hinweis aus dem Off. Klar wäre es das – aber über welches Leben sprechen wir? Auf welche Definition einigen wir uns? Und ist es die, die andere wählen? Oder das, was ich, Gina, als (mein) Leben bezeichne? Wer beurteilt mit welchen Argumenten auf welcher Grundlage Subjektives, das sich zwar juristisch-medizinisch so halbwegs objektivieren lässt, aber eben dann doch nicht wirklich – eben weil es subjektiv ist? Ein Philosoph käme auf ganz andere Ergebnisse als ein Mediziner, ein Jurist, ein Theologe. Und so kommt eben auch ein Kranker zu anderen Schlüssen als ein Gesunder. Und das, finde ich, ist gut so.

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§ 12 Antworten auf Der Tod und ich

  • wilfried wenz sagt:

    Deine Zunge ist schärfer als dem Sennsenmann seine Sennse, da hat der doch gar keine Chance. Der Tot ist auch bei mir schon seit 31 Jahren begleitendes Thema nicht so dass er mich will eher so dass er mir deutlich zeigt dass es ihn gibt. Wenn er zu mir kommt ist ja gut nur er soll sich nicht anschleichen das feige A……..

  • Vroni sagt:

    Ja, das ist gut so. Zwar ist der Grund, warum Du Dich mit dem Tod befasst, kein guter, aber dass Du darüber nachdenkst, und Deinen Frieden damit gemacht hast, ist gut.

  • Jan sagt:

    mich macht das traurig…

  • Motto sagt:

    Es gibt sicher viele, die das mit der „Klapse“ auf der Zunge hatten. Aber was haben die schon kapiert? Nix. Ich finde Deinen Beitrag traurig und mutig.

  • Susanne sagt:

    Ich erkenne nichts suizidales. Wobei ichs verstehen könnte…

  • petra sagt:

    ich habe deinen eintrag mehrfach aus- und zugeklickt…

    ich wüsste auf anhieb einen kandidaten den ich gerne in der klapse sehen würde…aber nicht aus suizidalen gründen…

    sich über den tod gedanken zu machen, über den eigenen tod ist irgendwie ein tabu.
    keiner kann in einen menschen hineinschauen.
    darüber zu reden? ist gut.
    ich habe ein paar personen im meinem umfeld (wenige) mit denen ich über meine gedanken rede. von anderen personen weiß ich, das sie sich zu viele gedanken machen würden, das ich ängste erzeugen würde die nicht angebracht sind.
    vor gut einem jahr habe ich meine mutter beim sterben begleitet.
    es prägt, es ändert ansichten.
    über den tod und das leben.

    und ich hoffe, das mich niemand zwagseinweisen lässt, weil ich zum beispiel das lied
    http://de.wikipedia.org/wiki/Suicide_Is_Painless
    gerne höre.

    alles gute dir

    petra

  • Floh sagt:

    Ich weiß einfach nicht was ich dazu schreiben soll… 😦
    Es ist ein furchtbares Thema und Du schreibst so cool darüber!

  • Kate sagt:

    Ist Dir das Leben denn so fern?
    Ist der Tod eine echte Alternative? Oder doch nur Flucht?
    Gibt Dir denn garnichts Halt? Sinn?

  • Stephanie sagt:

    ich habe lange überlegt, was ich schreiben soll.
    Ich denke, beim Leben mit potentiell bis stark lebensbedrohlichen Krankheiten ist es gewissermaßen eine logische Entwicklung bis zu diesem Punkt.
    Man kann tief fallen.
    Es ist in jedem Fall richtig, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Und ich hoffe, du kannst mit deinen engsten Menschen darüber reden.
    Etwas Suizidales kann ich da auch nicht erkennen. Interessant finde ich übrigens den Aspekt „Schwerelosigkeit“…

  • Juli(ane) sagt:

    Mir tut das endlos leid… Alles. 😦

  • Stephan sagt:

    Das Thema stellte sich mir auch schon. Ich kann es nachvollziehen. Helfen kann Dir da keiner. Aber versuchen, zu verstehen.

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