Beziehungs-Change Management

3. Oktober 2010 § 16 Kommentare

Wir Menschen neigen dazu, uns zu verändern – natürlich nicht uns selbst, sondern Andere, vorzugsweise unsere Partner. Was man eine zeitlang übersehen, überhören und überspüren konnte, wird irgendwann immer präsenter, immer … nerviger! Nun ist es einfach, Fehler bei anderen zu erkennen, deutlich schwieriger ist es dagegen, sich selbst objektiv (d.h. von „oben“, aus der sog. Metaebene) zu beobachten. Aber so sind wir Menschen nun einmal. Wir suchen Gegensätze, finden schlussendlich aber diese Gegensätze inakzeptabel. Und leiden darunter. Und dann? Ändern wir. Zumindest versuchen wir´s. Wenn es nicht klappt, trennen wir uns.

Ach, Sie glauben, wir sollten Toleranz walten lassen? Ich fürchte, echte Toleranz ist uns einfachen Menschen (wir sind nicht alle Mütter Theresa oder Dalai Lamas) nicht gegeben, denn Toleranz ist im Grunde doch nichts anderes als Trägheit und Ignoranz. Man nimmt hin, schaut weg. Ob das ideale Voraussetzungen für eine funktionierende Partnerschaft sind? Man mag darüber diskutieren, psychologische Studien zeigen jedoch anderes. Eigentlich könnte ich jetzt auf das existenzialistische Axiom verweisen – sobald man sich des theoretischen Hintergrundes eines Verhaltens bewusst ist, ist man ihm nicht mehr unterworfen, sondern ist in der Lage, sich darüber hinwegzusetzen – , doch das bedingt, dass Gefühle außen vor bleiben. Und ob das wiederum der richtige Weg ist? Für eine Geschäftsbeziehung sicher.

Advertisements

§ 16 Antworten auf Beziehungs-Change Management

  • Stephanie sagt:

    Ich würde Toleranz nicht als Trägheit, bzw. Ignoranz bezeichnen.
    Den perfekten Partner / die perfekte Partnerin gibt es nicht. Es ist eher so, dass mensch sich in einer Beziehung wohl immer mit ein paar schwer akzeptablen Seiten des anderen anfreunden oder abfinden muss. So lange das Gleichgewicht stimmt, bzw. ich jederzeit weiss, dass dieser Mensch Eigenschaften hat, wegen denen ich ihn liebe und mit ihm zusammen sein möchte, ist das durchaus in Ordnung.

  • Ich denke, es kommt darauf an, ob man aktive Toleranz übt, oder passive. Nimmt man wahr oder nimmt man hin? Das, denke ich, will auch das Existenzielle Axiom sagen.

  • Gina sagt:

    @Stephanie: Ich würde die von Dir angesprochene Form der Toleranz lieber Akzeptanz nennen. Toleranz ist sicher „hinnnehmender“ als die aktivere Akzeptanz, die (weitestgehend) in Ordnung findet, was gegeben ist – oder besser ausgedrückt: Akzeptanz ist meine freie Entscheidung, ich muss also eine Willenserklärung abgeben. Bei reiner Toleranz bleibt ich einfach nur passiv.

  • Veréne sagt:

    Ich habe lange nachgedacht über das Thema. Und ich bin zum Schluss gekommen, dass Gina recht hat. Toleriere ich jemanden oder jemandens Verhalten/Eigenschaften, dann ist es mir im Grunde doch egal. Akzeptiere ich es aber, nehme ich es an. Dazwischen liegt ein breiter Graben. Man muss sich auseinandersetzen oder man lässt es eben einfach. Auseinandersetzen kann wehtun, aber es ist notwendig, wenn nicht Gleichgültigkeit entstehen soll, wie es in den meisten Beziehungen eben so ist. Mir ist gerade klargeworden, dass ich in einer Gleichgültigkeit lebe. Man nennt das wohl auch „Harmonie“. Man tut sich nichts, ist sich aber eigentlich egal. Das will ich nicht mehr. Danke für den Denkanstoß!

    Veré

  • Stephanie sagt:

    Dann haben wir hier ein begriffliches Problem – aber Akzeptanz trifft es wohl besser. Ich habe jetzt zumindest verstanden, was Du meinst, Gina.

  • Gina sagt:

    Tja, immer das mit den Begriffsdefinitionen… 😉

  • Sophie sagt:

    Leider ist es nicht so einfach, das mit dem Hinwegsetzen. Man erkennt oft, was man tut und warum, kann es aber deswegen nicht ändern. Es scheint sich im Kreis zu drehen: Ich weiß, dass ich manipuiliert werde, aber ich werde es trotzdem…

  • akismet-ed3a2eced046a180c42e8c7d1b20c89b sagt:

    Ich als kleines Kaninchen mag jetzt nicht über Begriffe im Allgemeinen und Besonderen diskutieren. Beim Lesen Ihres Artikels, liebe Gina, stellte sich mir sofort die Frage: Wandeln Sie in der Zukunft alleine mit Snooby auf bergigen Pfaden? Sprechen Sie von Ihrer Partnerschaft? Und kann ich irgendwie helfen? Ihr Thor Löwenherz

  • Gina sagt:

    Nein, lieber Thor, keine Angst. Ich wandle nicht allein! 🙂

  • Stephanie sagt:

    Gina, das beruhigt mich aber jetzt auch! 🙂

  • Sven sagt:

    Also ich habe es nicht als Trennungsgeschichte verstanden, sondern als Reflexion – „Change Management“ bedeutet doch auch eher Veränderung als Trennung?!

    Wie auch immer, Gina, Du hast mich zum Nachdenken gebracht…

  • Cafe Lichtblick sagt:

    Ich glaube nciht, dass Toleranz der richtige Weg ist, um eine Partnerschaft voranzubringen. Das endet in Ignoranz und LAngeweile und wie meine Vorrednerin schon festgestellt hat, in „Harmonie“, die keine ist. Ich halte gegenseitiges offenes Feedback für besser. Man muss es naütrlich richtig anbringen und auch annehmen können.

  • Gina sagt:

    So sehe ich es auch, Sven.

    Im Übrigen halte ich Toleranz nicht nur in Beziehungen für schädlich, sondern auch in der derzeit vieldiskutierten Integration von Menschen nichtdeutscher Herkunft. Toleranz allein hat noch nichts und niemanden weitergebracht.

  • anonymus sagt:

    Veränderung ist gut!

    Ich denke bei Veränderungen müssen alle Beteiligten flexibel sein und für Veränderungen berereit sein, wenn immer nur eine Seite geformt oder verändert wird, wird es irgendwann zum Marionetten Theater und das wird in keiner Partnerschaft oder Beziehung funktionieren; weder privat, geschäftlich noch zwischenmenschlich.
    Die Sichtweise „von oben“ auf die eigene Person ist natürlich schwierig und unbequem, jedoch sollte sich das jeder mal vor Augen führen, auch wenn es nur mit sich allein in dunklen Kämmerlein geschieht:

  • Gina sagt:

    Hm… Schon wieder eine Begriffsdefintion? 😉

    Okay, ich nehme die Herausforderung an: Veränderung, so wie ich sie oben gemeint habe, ist für mich keine Art „handfester“ Bearbeitung, also Ver- oder Umformung (schon gar nicht von Menschen!). Es kann das Arbeiten von zwei oder mehr Personen an einer Beziehung (welcher auch immer) oder das Analysieren und Anpassen von Prozessen (ökonomisch ausgedrückt) sein. Veränderung, so wie ich sie verstehe, ist ein stetiger Aufwand, keinesfalls eine einmalige Aktion. Leider ist Chance Management ein Modewort geworden und keine dieser Selbstverständlichkeiten, die sich von selbst verstehen…

    „Marionette“? Man wird nicht nur zur Marionette gemacht, man lässt sich dazu machen! Und wer will das schon? Weder Marionette sein, noch jemanden dazu machen ist erstrebenswert. Die Metaebene ist übrigens keinesfalls schwierig oder gar unbequem, sondern absolut hilfreich und, hat man es erst gelernt, sich „von oben“ zu betrachten, ein wunderbares Mittel, sich selbst zu erkennen. Sie hilft auch sehr bei Diskussionen, die sich im Kreis drehen – etwa bei der Frage, um welchen Kreis… 😉

  • Gina sagt:

    Nun muss ich doch noch mal „nachkarteln“… 😉

    Jeder Mensch hat sein eigenes Welt- und Menschenbild. es wird einem sozusagen in die Wiege gelegt, man wird geprägt zuerst durch die Eltern und Geschwister, später erweitert und verändert durch Kindergarten, Schule, Uni, Job, Gesellschaft etc. Im Idealfall verändert es sich ständig. Das wird gern Horizonterweiterung oder auch Bildung genannt. Man kann es einfach auch Unbedarftheit oder Offenheit nennen, mit der wir durch so viele Welten stapfen, die uns fremd sind – und das kann auch die Welt des eigenen Partners sein!

    Das Selbstbild eines Menschen prägt sich erst viel später aus als das Welt- und Menschenbild. Und es ist alles andere als objektiv! Es mit dem Bild in Einklang zu bringen, das andere von uns haben (auch hier hat jeder ein anderes!), fordert mehr als die Entwicklung eines Welt- und Menschenbildes. Es fordert UNS! Es tut oft genug sogar weh… Wer, wenn nicht der/die nahestehendste Mensch, den wir kennen (und zu eben diesem gemacht haben), kann uns Feedback in für uns annehmbarer, also liebevoller Form geben? Kollegen? Vorgesetzte? Lehrer? Wohl kaum. Fachliches Feedback ja, aber persönliches? Dessen Annahme werden wir wohl verweigern. Ein Psychologe oder Coach? Schon eher – aber wer geht schon zum Psychologen, wenn er wissen will, ob er diese oder jene Klamotten tragen kann? Oder ob er beim Essen schmatzt? Dort würde er eine nüchterne Antwort bekommen, mit deren Umgang er dann allein gelassen wird. Der Partner, wenn es denn der richtige ist, aber ist da…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Beziehungs-Change Management auf LATRINUM.

Meta