Energie statt Essen – wollen wir das?

15. November 2010 § 7 Kommentare

Am Wochenende blieb mir mal wieder das Essen im Hals stecken. Schuld war ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel „Der Mais gärt“. Was ich da lese, bringt mich dazu, mich zu fragen, ob hierzulande Landwirtschaft eigentlich noch von der Agroindustrie zu unterscheiden ist, die in den USA Geld bringt. Keine gesunden Nahrungsmittel mehr wie früher, nein, heutzutage essen wir scheinbar Geld. Wie auch Strom aus der Steckdose kommt. Und Billigklamotten von Tchibo. Und immer intensiver suche ich für mich persönlich Antworten: Wie will ich künftig leben? Wie mich ernähren, wie kleiden? Wie kann ich vermeiden, dass meine Bedürfnisse auf Kosten Anderer (auch der Natur!) gestillt werden?

Weil der SZ-Artikel zwar lesenswert, leider aber kostenpflichtig ist, habe ich mir die Mühe gemacht, ein paar Zitate abzutippen:

Die Hähnchen, die Geert Luttermann isst, kauft er im Supermarkt. Dabei besitzt der Landwirt mehr als 1000.000 Masthähnchen.

(…)

Luttermann baut (…) Mais, Kartoffeln und Weizen an. Doch nichts von dem, was er auf seinen Feldern erntet, landet auf seinem Teller.

(…)

Ein Lastwagen holt alle 40 Tage die gemästeten Hähnchen ab, eine Putzkolonne desinifizert die Ställe, 100.000 neue Küken werden angeliefert. Luttermanns Kartoffeln werden in einer nahe gelegenen Fabrik zu Stärke verarbeitet. Seinen Weizen verkauft er als Futtermittel für Tiere und sein Mais landet in Biogasanlagen.

(…)

Hier im westlichen Niedersachsen wird auf 40 Prozent der Ackerfläche nur noch Mais kultiviert, drei Viertel davon landet im Viehfutter.

(…)

Um ein Kilo Fleisch zu produzieren, braucht man etwa die achtfache Menge an Getreide.

In eine (Biogas) Anlage können Pflanzen gesteckt werden, aber auch Nahrungsreste, Gülle, Stallmist, Holz und Fette. Etwa 90 Prozent der Anlagen laufen jedoch mit Mais.

(…)

Was in den meisten Tanks deutscher Biogasanlagen landet, ist nicht abhängig von den Reststoffen, die vorhanden oder am umweltfreundlichsten sind, sondern von den Bonuszahlungen, die im deutschen Gesetz für Erneuerbare Energien (EEG) geregelt sind.

(…)

Die Monokulturen seien zudem umweltschädlich, weil außer Wildschweinen keine Tiere in den Maisfeldern Futter finden „Viele Landwirte kippen mehr Düngemittel auf den Mais als nötig ist“ (…). Dem Mais schadet es nicht, er kann nicht überdüngt werden, aber immer mehr Nitrat gerät so in das Grundwasser. Die Wasserämter schlagen bereits Alarm.

(…)

So hat sich (…) eine Dynamik entwickelt, die dazu führt, dass in Deutschland jedes Jahr Tonnen von Lebensmitteln vernichtet werden, während weltweit mehr als eine Milliarde Menschen hungert.

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§ 7 Antworten auf Energie statt Essen – wollen wir das?

  • uli sagt:

    Die Menschen wollen billige Lebensmittel, stand da auch noch (aber das dürfte den meisten Leuten bewusst sein). Noch habe ich mir die Zeit nicht genommen, darüber Buch zu führen, wieviel teurer bewusstes Essen wirklich ist. Gefühlt meine ich immer es sei wesentlich teurer, aber stimmt das wirklich? Die Einkaufszettel sammle ich schon lange, es hapert nur noch an deren Auswertung. Gina???

  • uli sagt:

    Ach ja: Das Bild von den 100.000 Hähnchen im Stall zum Artikel, mir ist der Appetit erst Mal vergangen. Aber wieviel Raum haben eigentlich Bio-Hähnchen bei der Aufzucht? Je nach Größe kostet ein ganzes frisches Biohendl hier zwischen 8 und 13 EUR, geht es dafür wirklich artgerechter zu?

  • Sven sagt:

    Ich hab den Artikel gelesen. Eklig! 😦

  • Tom sagt:

    Um die Überschrift zu beantworten: NEIN!!! 👿

  • softie sagt:

    pfui deibel!!! 😦

  • cafedurst sagt:

    Was regen die Leute sich denn grundlos auf. Mit dem Nitrat im Leitungswasser spare ich mir dann den Dünger.
    Oder sollte ich mich besser selber auf Photosynthese umstellen, aber was dann trinken? Café?
    Jetzt bin ich wieder verwiirt.

  • Pepe sagt:

    @cafedurst: Kaffee ist gut. Da schmeckt man das Nitrat aus dem Grundwasser nicht mehr so raus.

    @Gina: Ob ich nicht doch besser nachts auf Maisernte gehen soll? Dann gibts Polenta und gegrillte Maiskolben. Ich mag die genausogern wie die Rindviecher!

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