„Jedem das Seine“ – oder lieber nicht?

24. November 2010 § 17 Kommentare

Das Foto zeigt das Tor zum KZ Buchenwald. Dort steht ein alter Satz, dessen Herkunft auf Platon zurück geht, dessen Hintergrund Gerechtigkeit und Toleranz war, und der in der Urform und im Urverständnis auch Motto meines Blogs ist. Ich verstehe ihn im Sinne von „Leben und leben lassen“; er drückt für mich individuelle Freiheit bei kollektivem Verantwortungsbewusstsein aus. Nun aber wurde ich darauf hingewiesen, dass dieser Satz nicht mehr gebrauchsfähig ist weil er durch die Nazis missbraucht wurde. Ist das so? Können Platon und Cicero sowie noch heute gültiges lateinisches Recht (iuris praecepta sunt haec: honeste vivere, alterum non laedere, suum cuique tribuere und Iustitia est constans et perpetua voluntas ius suum cuique tribuendi) „verboten“ werden, weil sie unmenschlich fehlinterpretiert wurden? Anders und offen gefragt: Soll ich das Motto meines Blogs ändern?

Advertisements

§ 17 Antworten auf „Jedem das Seine“ – oder lieber nicht?

  • Sven sagt:

    Nein!

    Man kann nicht bei jedem Wort darüber nachdenken, ob ein Irrer es vielleicht auch verwendet haben könnte. Es war ja nicht nur Hitler, es gab noch andere. Weder in Italien noch in Russland oder in Spanien wird derart ängstlich mit der Vergangenheit umgegangen. Klar, in Deutschland kamen Millionen Juden um. Aber auch Deutsche, Polen, Slovaken etc. Irgendwann ist es mal gut, das mit der Schuld. Unsere Generation hat keine! Wir lernen, haben hoffentlich gelernt. Aber wir sind nicht dafür verantwortlich. Und damit:

    Suum cuique!

  • Schwarzwälder sagt:

    Auf die Idee bin ich gar nicht gekommen. 😕
    Ich würde es so lassen. Wer hat sich denn da beschwert?

  • Pepe sagt:

    So gesehen… Vielleicht ist es Respekt von den Opfern, wenn man diesen Satz nicht nutzt? Keine Ahnung. Vielleicht sehen es die Opfer aber auch ganz anders als die Leute, die empfindlich reagieren. Man müsste auch Trachtenvereine abschaffen und Pfadfinder und den Muttertag.

  • Silke sagt:

    Darüber musste ich nachdenken. Auch mir war der Spruch eher in der griechisch-lateinischen Version bekannt. Warum wird aber „suum cuique“ mit „Jedem das Seine“ übersetzt und mit der interpretierten Inschrift (also in Form von Rechtfertigung für Strafen) an einem KZ-Tor in Verbindung gebracht? Warum denkt man nicht an das, was Gina damit verbindet? Für mich ergeben sich aus Ginas Frage erkennbar Fragen… Man mag den Schritt gehen, sich von dem Thema fern zu halten. Man kann aber auch dazu stehen, dass man 2010 lebt und nicht 1933 bis 1945. Ich würde den Spruch in vollem Bewusstsein nutzen, dass er missbraucht wurde.

  • ösi sagt:

    gedenken an nazi-opfer ist das eine. aber was die juden letzlich in palästina getan haben und noch tun, ist nicht akzeptabel!!! mir ist es egal, ob jemand solche sprüche schreibt. man dürfte ja gar nichts mehr sagen, wenn man immer darauf achten würde, dass man keine opfer verletzt. davon abgesehen dürfte man auch eine weltkriegs-veteranen ehren, denn die haben diese morde gegangen!

  • Franz sagt:

    Ich würde es umbenennen, damit derartige Diskussionen gar nicht aufkommen.
    Mancher mag sich provoziert fühlen. Mir selbst ist es aber egal.

    Dir alles Liebe!

    Franz

  • Tom sagt:

    Ich finde allein die Frage überflüssig. Den Satz gibt es seit Jahrhunderten, er wurde ein paar Jahre blöd verwendet – so what?!

  • jacky sagt:

    Dann darf man auch Nietzsche nicht mehr zitieren. Das mit dem Übermenschen stammt ja wohl von ihm.

  • Hennes sagt:

    Irgenwie ist diese Diskussion sinnlos, weil Gina doch die Argumente schon genannt hat. In diesem Sinne: NEIN!

  • Floh sagt:

    Dir muss es passen. Was interessieren Dich die anderen?

  • Gina sagt:

    Vielleicht fällt mir ja doch ein neues Motto ein…

  • uli sagt:

    Du hast den Spruch ja nicht als „Werbeslogan“ verwendet, da gab es mal Ärger und Du missbrauchst ihn auch nicht!

    Dein Motto? „Leben und leben lassen….“

  • Silke sagt:

    Aha, Dir ist also was eingefallen! :mrgreen:
    Passt sehr gut, das neue Motto.

  • Hervé sagt:

    Wenn ich ehrlich bin, ist mir das Sätzchen noch nie aufgefallen…

  • Sven sagt:

    Gerade entdeckt! 😀

    Es passt passt jetzt besser zum Latrinum, der Vorgänger hat besser zu Dir gepasst.

  • Gregor sagt:

    Was für `ne sinnlose Fragestellung. Wem es nicht passt, der kann weglesen. Es wird immer irgendwas irgendwem nicht passen! Was heißt denn der neue Spruch jetzt? Und ist er unbedenklich?

  • uli sagt:

    Was Dir an Worten einfällt! 😉

    Warum hat Dich die Werbebranche noch nie entdeckt? :mrgreen:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan „Jedem das Seine“ – oder lieber nicht? auf LATRINUM.

Meta