Diplomatisierter Scharlatanismus

6. Dezember 2010 § 5 Kommentare

Zu meiner täglichen Pflichtlektüre gehört unter anderem die Onlineausgabe der Zeit. Heute stolperte ich über einen Artikel, den ich aus zwei Gründen nicht zusammenfassen möchte. Erstens ist er stilistisch einfach zu gut geschrieben und ich kann ich allein deshalb nur empfehlen, und zweitens ist jedes Wort darin inhaltlich lesenswert. Die Mühe des Volltextes werden Sie also auf sich nehmen müssen, auch wenn heutzutage das Querlesen angesichts der Informationsfülle nicht nur en vogue, sondern schlicht notwendig ist. Ich versuche mal, Ihren Appetit mit einem Zitathäppchen anzuregen:

Nerv getroffen

Ein ehemaliger Diplomat aus Leipzig betreibt heute zwölf Heilpraktiker-Schulen. Seine Erfolgsgeschichte zeigt: Zweifelhafte Heilmethoden haben hierzulande Hochkonjunktur.

Heute lehrt Michael Bochmann, wie man durch Armdrücken eine Diagnose stellen kann. Vor 20 Schülern liegt eine Frau rücklings auf der Patientenliege und streckt ihren rechten Arm angespannt zur Decke. Auf einem Tisch stehen Pillen, Salben und Tropfen. »Wenn wir eine der Ampullen auf den Bauch der Patientin legen«, sagt Bochmann mit sonorer Stimme, »können wir prüfen, ob sie auf den Inhalt reagiert.« Ihr Arm, erklärt er, ließe sich dann leicht nach unten drücken. Willkommen in der Deutschen Heilpraktikerschule zu Leipzig.

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§ 5 Antworten auf Diplomatisierter Scharlatanismus

  • Stephanie sagt:

    Die wichtigste Aussage des Artikels ist:
    »Unsere Absolventen nehmen niemandem die Arbeit weg«, sagt er, »zum Heilpraktiker gehen die Leute erst, wenn die klassische Medizin keinen Rat mehr weiß.«
    Genau so ging es mir auch. Das Problem (rund um meine chronische Krankheit) ist immer noch nicht gelöst.
    Aber der Heilpraktiker hat mir wenigstens zugehört und mich ernstgenommen!
    Von Schulmedizinern habe ich immer nur gehört: „das passt nicht zum Krankheitsbild, das kann nicht sein“. Oder „wenn sie das so wichtig finden, müssen sie eben ein paar Wochen für alle möglichen Tests ins Krankenhaus“ (wohlwissend, dass ich Krankenhäuser hasse). Klar, dass ich diese Ärzte alle nicht mehr besuche. Ich traue mich nur gar nicht, mit meinem „neuen“ Arzt darüber zu reden – aus Angst vor einer Enttäuschung.

  • Gina sagt:

    Meine Erfahrungen mit Heilpraktikern sind weniger gut. Was habe ich davon, wenn sie mir zuhören und da Händchen halten, aber nicht erkennen, dass ich Krebs habe?!

  • Stephanie sagt:

    Ok, das ist natürlich eine andere Situation. Mir hat der Heilpraktiker in diesem Punkt ja auch nicht geholfen, weil ich an seine Diagnose und an seine Behandlungsweise nicht glaubte.
    Aber er war der einzige, der das Problem immerhin Ernst genommen hat.

    Ich vermute halt, dass es das ist, was viele Menschen zum Heilpraktiker treibt.

  • Anonymous sagt:

    Adolf

    Für mich existieren medizinische, wie heilpraktische (nicht herkömmlich medizinische) Heilmethoden und sind somit auch beide berechtigte Behandlungsmethoden

  • Anonymous sagt:

    Für mich existieren medizinische, wie heilpraktische (nicht herkömmlich medizinische) Heilmethoden und sind somit auch beide berechtigte Behandlungsmethoden

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