Private Unis sind teuer – aber auch besser?

14. Dezember 2010 § 14 Kommentare

Was machen eigentlich private Hochschulen besser? Warum geht es bei vielen staatlichen Unis noch heute – oder mehr denn je? – zu wie am Hindukusch? In München zieht, tropft und modert es wie vor 20 Jahren, als ich dort wegen überfüllter Hörsäle auf dem Boden statt auf den klapprigen Holzsitzen Platz nahm. Heizung? Bücher? Digitale Medien? Computerarbeitsplätze? Gesundes Essen? Ansprechbare Professoren? Stattfindende Veranstaltungen? Dozenten, die ihre Sprechstunden, Vorlesungen und Seminare selbst halten anstatt Doktoranden zu versklaven – die eigentlich andere Aufgaben hätten, wollen sie in weniger als fünf Jahren promovieren? München ist Bayern – und Bayern ist wahrlich kein armes Bundesland! Woran also krankt es?

Darüber wurde schon viel diskutiert. Am Geld liegt es wohl nicht, heißt es. Eher an der Verwaltung, am Management. Private Unis – interessanterweise Businesshochschulen! – haben sich zwar auch schon durch die Unfähigkeit hervorgetan, ein Unternehmen zu leiten. Eine private Bildungseinrichtung ist nun einmal ein ganz normales Unternehmen, auch wenn das gern bestritten wird. Da braucht es Einkünfte, mit denen man überlegt umgeht, um die anfallenden Kosten und Investitionen zu finanzieren, um den Betrieb aufrecht zu halten und Qualität auch in Zukunft zu gewährleisten. Das klappte nicht immer, denn Image maß man oft genug in Statussymbolen. Und die verschlangen mitunter mehr Zaster, als Studenten und Förderer locker machen wollten.

Was also machen private Hochschulen – die guten unter ihnen! – denn nun besser? Ich denke, sie kümmern sich um schlicht um ihre Klientel, also um ihre Studenten. Sie bilden in Richtung (globalem) Arbeitsmarkt aus, sie wissen, dass für Absolventen Geld und Karrieren nicht vom Himmel fallen, dass hohe Kompetenz wichtiger als ein schickes Siegel unter der Abschlussurkunde ist. Dozenten dieser Unis brauchen keinen realitätsentrückten Forscherhabitus, sie definieren Erfolg etwas anders als in Publikationen und Zitierungen. Zugegeben, das war nicht immer so, hier fand ein Sinneswandel statt – musste stattfinden, denn Studenten sind erst einmal Kunden. Ein paar deutliche Worte dazu fand in der FAZ einer, der sich in Zürich eine Hochschule gekauft hat und nun beweisen will, dass er aus ihr einen respektierten Quality Player machen kann. Es sieht ganz gut aus…

Ein Absatz des Interviews in der FAZ:

Bei uns haben die Professoren zum Beispiel keine Büros. Auch ich sitze mitten unter den Studenten. Unsere Dozenten sind nicht fest bei uns angestellt, es ist eher ein Netzwerk von Professoren. Außerdem wollen wir wenig an die Tafel schreiben; uns geht es darum, miteinander zu sprechen. Das kommt bei den Studenten gut an. Auf altmodische Gepflogenheiten verzichten sie gerne, stattdessen wollen sie Schnelligkeit, Zugänglichkeit auch am Wochenende. Mein Eindruck ist, dass viele Business Schools früher vor allem ein bequemer Ort für die Professoren waren.

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§ 14 Antworten auf Private Unis sind teuer – aber auch besser?

  • Nils sagt:

    Man kann auch auf staatlichen Unis studieren, wenn man sich die richtigen sucht. Aachen zum Beispiel… 😉

  • Ener sagt:

    Die meisten privaten sind doch ohnehin FHs oder? Fernunis gibt es inzwischen wie Sand am Meer, die bilden für die Praxis aus. An staatlichen Hochschulen sollte geforscht werden und Forscher ausgebildet werden. Tun sie aber nicht, sie wollen alles. Das Profil passt hier nicht! Man lernt für die Lehre, arbeitet dann aber beim Daimler in der Halle. Passt nicht zusammen. Es liegt schon an einem selbst, welche Uni zu einem passt und was man erreichen will.

  • Tom sagt:

    Das mag sein. Aber staatliche Unis werden von Steuerzahlern finanziert! Und wer kontrolliert die Leistung, die erbracht wird? Was wird überhaupt erwartet von einer Uni? Praxisgerechte Ausbildung? Wissenschaftsorientierung? Lernen für die Lehre? Exzellenz-Siegel sind für die Tonne, wenn ich keinen Seminar- und Sitzplatz bekomme und es mir ins Genick regnet während ich an einem total veralteten PC in einer Datenbank wühle, die Uraltbestände auflistet! Alles schon erlebt… 😦 Also besser einen Sponsor (Mama und Papa oder ein Job) suchen und die Bücher zielgerichtet selbst kaufen. Wenn der Prof natürlich seine eigenen Werke als Pflichtlektüre vorgibt, hat man gleich noch ein gutes Werk getan. 😉

  • Floh sagt:

    Und was ist mit Berufsakademien? Wenn man schon immer für die Praxis ausbilden will… Unis für die Theoretiker, FHs für die Praktiker und BAs für die spezifisch für ein Unternehmen ausgebildeten. Passt doch?!

  • Ener sagt:

    BA?! Sorry, aber BA ist nun wirklich keine Hochschule! Wie nennen sich BAler eigentlich jetzt nach Bologna? Noch immer Diplomirgendwas?

  • Sanda sagt:

    Und was macht der Herr Hochschulbesitzer nun anders? Außer seinen Professoren die Büros wegzunehmen?

    BA ist auch meiner Ansicht nach eine „bessere“ Berufsausbildung, nicht mit FH und schon gar nicht mit Uni zu vergleichen.

    Schönen Abend!

  • Tom sagt:

    Sanda :
    BA ist auch meiner Ansicht nach eine „bessere“ Berufsausbildung, nicht mit FH und schon gar nicht mit Uni zu vergleichen.
    Schönen Abend!

    Sehe ich auch so. Es ist für viele eine Alternative, ohne Zweifel. Im Grunde will nicht jeder mit Abi auch studieren, aber auch nicht jeder will eine Banklehre machen. BA haben ihre Berechtigung! Aber sie als Vergleich mit FHs oder Unis heranzuziehen, ist schon sehr gewagt.

  • Floh sagt:

    Schon verstanden: die Damen und Herren Uniabsolventen sind was Besseres!

  • Bernhard Bauer sagt:

    Floh :
    Schon verstanden: die Damen und Herren Uniabsolventen sind was Besseres!

    Ich glaube, da hast Du was falsch verstanden! 😉

    Sie sind nicht per se besser, sondern anders. Es ist einfach so (oder war bisher so, auch wenn es sich aufzuweichen scheint), dass an Unis Wissen geschaffen und an FHs und Akademien Wissen vermittelt wird. FHs zeichnen sich dadurch aus, dass sie theoretisches Wissen in praktizierbares umwandeln können. Da haben sie ihre Stärken, niemals aber z.B. in Grundlagenforschung. Das ist auch nicht ihr Thema! Sieh Dir doch nur die Anforderungen an Dozenten an, wirf einen Blick auf die Lehrpläne. Warum darf heute ein Praktiker (Meister o.ä.) an einer FH studieren, an der Uni aber nicht? Das hat Gründe. Bologna ist dagegen ein Thema, das ich nie verstanden habe und auch nicht verstehen will! Übrigens habe ich erst an einer FH studiert (in München Maschinenbau) und dann das selbe nochmals an einer Uni (in Aachen). Eigentlich sollte es vergleichbar sein. War es aber nicht. Ich bin froh, beides kennengelernt zu haben. Ich kann mit Meistern über Kalt- und Warmumformung reden und mit den Ingenieuren im Labor, die sich mit Fließverhalten von Metallen am Rechner befassen. Ich kann Eners Satz nur unterschreiben: „Es liegt schon an einem selbst, welche Uni zu einem passt und was man erreichen will.“

  • Tom sagt:

    @Floh: Sind sie nicht!

  • Tom sagt:

    @Bernhard Bauer

    So ein Doppelstudium hätte mich auch gereizt. Aber irgendwann ging den Eltern die Knete aus und mir die Lust. Ich wollte endlich arbeiten, zeigen, dass ich der Größte war. Was ich dann auch versucht habe. Und festgestellt, dass ich ein verdammt kleines Licht war im Vergleich zu den alten Meistern… 😳 😆

  • Gina sagt:

    @Floh: Das glaube ich auch nicht. BAs waren einfach hier nicht Thema… 😉

    Ich kann Bernhards Erfahrungen auch bestätigen, hatte den Vergleich auch. Allerdings habe ich nicht an Uni und FH dasselbe Fach studiert. Dennoch erkannte auch ich einen signifikanten Unterschied zwischen dieser und jeder Qualtät – wobei ich keine als die bessere oder schlechtere Art und Weise der Aus- oder Weiterbildung bezeichnen möchte!

  • Bernhard Bauer sagt:

    @Tom: Das habe ich trotz Doppelstudium erlebt! Voller Flausen im Kopf in die Werkstatt gerannt und geglaubt, ich hätte die Weisheit intravenös vermittelt bekommen… Aber das gibt sich schnell. Ich glaube, am zweiten Tag schon wollte ich kündigen! Glücklicherweise war dann Wochenende und Papa nahm sich mich mal vor. 😆

  • p@t sagt:

    thema verfehlt! es ging um private und staatliche unis…

    was private besser machen ist schnell erklärt: sie konzentrieren sich auf das wesentliche und unterstützen keine hahnebüchenen forschungen publizierungsgeiler professoren!

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