Verhört? Verlesen? Oder doch nicht?

23. Februar 2011 § 2 Kommentare

Chronologien sind immer dann interessant, wenn man den eigenen Sinnen nicht mehr traut. War da was? Wenn ja, was? Hat der das wirklich so gesagt? Oder spielte mir mein Gehör einen Streich? Habe ich mich verlesen? Diesen Zweifeln hilft tagesschau.de mit einer Zitatesammlung unseres Verteidigungsministers in eigener Sache ab:

 

Guttenberg am 15.2 in einer Reaktion auf erste Vorwürfe:

„Ich habe die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.“

Guttenberg am 16.2 in einer Mitteilung:

„Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob bei über 1.200 Fußnoten und 475 Seiten vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten und würde dies bei einer Neuauflage berücksichtigen.“

Guttenberg am 18.2 in einer Stellungsnahme:

„Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat, und den Vorwurf weise ich mit allem Nachdruck von mir. Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufsabgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. (…) Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht.“

Guttenberg am 21.2 in Kelkheim auf einer CDU-Veranstaltung:

„Und nach dieser Beschäftigung habe ich auch festgestellt, wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht führen werde. Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende, auch nachdem ich diese Arbeit mir intensiv noch einmal angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen. Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren? So ist es, dass man den Blick dann zurückwirft und feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der ein oder anderen Stelle, an der ein oder anderen Stelle auch zuviel, auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren. (…) Ich sage ebenso, dass ich mich von Herzen bei all jenen entschuldige, die ich mit Blick auf die Bearbeitung dieser Doktorarbeit verletzt habe. Die Entscheidung, einen Doktortitel nicht zu führen, schmerzt, insbesondere, wenn man sechs, sieben Jahre seines Lebens daran gearbeitet hat.“

Guttenberg am 22.2 in einem Schreiben an die Universität Bayreuth:

„Mit diesem Schreiben möchte ich Sie bitten, die Verleihung meines Doktortitels zurückzunehmen. (…) Eine abschließende Stellungnahme kann ich im Moment leider noch nicht abgeben. Aber festhalten will ich doch, dass ich zu keinem Zeitpunkt vorsätzlich oder absichtlich getäuscht habe. Dieser Schritt ist für mich besonders schmerzhaft, aber er ist eine Konsequenz aus meinen Fehlern. Er ist auch notwendig, um bereits eingetretenen Schaden für den hervorragenden Ruf der Universität Bayreuth, für meinen überaus honorigen Doktorvater und für meinen so geschätzten Zweitkorrektor zu begrenzen.“

Guttenberg am 23.2. in der Fragestunde des Bundestags:

„Am Wochenende habe ich mich erstmals mit dieser Arbeit befasst – mit Blick auf die Vorwürfe, die gemacht wurden.“

„Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt – und zwar, politische Leidenschaft und Arbeit sowie wissenschaftliche und intellektuelle Herausforderungen als junger Familienvater miteinander in Einklang zu bringen. Für mich stellte das offenbar eine Überlastung dar. (…) Und genau deswegen habe ich die Konsequenzen gezogen und verzichte auf diesen Doktortitel.“

P.S.: Einen Doktortitel zurückgeben? So einfach geht´s glücklicherweise nicht… Ich freue mich schon auf das juristische Nachspiel; die Urheberrechtsverletzungen sind ja noch gar nicht wirklich thematisiert. Bis jetzt sind wir ja „nur“ bei Betrugs in Form einer falschen Eidesstattlichen Versicherung unter einer Dissertation, mit der die eigene Urheberschaft bestätigt wird.

Advertisements

§ 2 Antworten auf Verhört? Verlesen? Oder doch nicht?

  • Le Saucisson sagt:

    Bleibt zu hoffen, dass er als „junger Familienvater“ (den er ja gerne betont) ein besseres Beispiel abgibt, denn als Wissenschaftler.

  • echt, der junge Familienvater, neben der Arbeit als Abgeordneter, 2 schreiende Kinder auf dem Arm…
    Mann Mann Mann.

    wurde hier eigentlich schon der passende Ausschnitt zur heute-show verlinkt? sehr schön. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Verhört? Verlesen? Oder doch nicht? auf LATRINUM.

Meta