Stuttgart und das Autoimmobil

16. April 2011 § 2 Kommentare

Gestern ging´s mal wieder in die Stadt (und leider auch durch sie durch), die als erste an dem ersticken wird, was sie selbst produziert: PKW, LKW, Busse. Man kommt nicht umhin, wenn man unterwegs zu einem großen Automotive-Zulieferer ist, um dort Interviews für ein Porträt zu führen, sich Gedanken zu dem zu machen, was die Industrie seit Jahren verschläft: Die benzinbetriebene Kolbenmotorkutsche ist längst schon eine Technik für das Museum, das man in Stuttgart für sie geschaffen hat.

Wieder einmal wurde mir allerdings bewusst, dass da war nichts verschlafen wurde, sondern verweigert. Warum soll man auch nicht an etwas festhalten, das einem gute Geschäfte beschert? Das in weiten Teilen der Gesellschaft begehrtes Statussymbol ist? Warum soll man es nicht weiter entwickeln, schneller und sicherer und vielleicht sogar etwas sparsamer, immer aber teurer machen? Wo man das doch kann? Nicht zu können scheint man, den Blick über den Tellerrand zu heben und die Kompetenzen, die man ohne Zweifel hat, anderweitig zu nutzen, zu erweitern, zu ergänzen. Einmal Auto, immer Auto. Warum? Mehr noch, warum in dieser Form?

Es gab schon vor Jahrzehnten Ideen, die Fahrzeuge heute ganz anders aussehen, weitgehend oder sogar ganz von Benzin (wohl nicht aber von Öl) unabhängig und damit ökologisch endlich auf dem Stand unseres Wissens um unsere Umweltschäden sein lassen würden. Ja, ich weiß, dass der Luftverkehr wesentlich mehr zur Verschmutzung unseres Planeten beiträgt! Da wüsste ich Rat: Verteuert man den Hin- und Rückflug von Hamburg nach Malle zum Ballermann von 50 auf 500 Euro und den von München nach Berlin zum Shopping von 29 auf 290 Euro, ist das Problem schnell keines mehr. Aber das, so schreien Kritiker dieser Lösung auf, kostet Arbeitsplätze! Tja, da sind sie also wieder, die Stammtischökonomen. Leider gibt es die quer durch alle Gesellschafts- und auch Bildungsschichten. Und bei BILD…

Und jetzt? Schreibe ich mein Porträt. Es wird gut werden, denn das Unternehmen ist es wert, die Menschen, die ich getroffen habe, sind es wert. Die Thematik aber lässt mich bei der Arbeit tief seufzen. Aber wat mutt, dat mutt. Und da ist die, die banale Erklärung für alles: Die ökonimischen Zwänge sind es, die uns leiten, führen, treiben. Nichts anderes, leider auch nicht das Wissen, dass es anders gehen könnte, ja, müsste! Ich bin da leider nicht besser als andere, aber ich habe wenigstens verstanden. Ich gehe nicht zu Stammtischen.

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§ 2 Antworten auf Stuttgart und das Autoimmobil

  • Stuttgart, ohje.
    finde ich eine schöne Stadt – wenn man kein Auto benötigt.

    letzten Oktober sind wir mit dem WoMo (~24,687268 qm Grundfläche) zum Geburtstag eines Freundes, bedachten nicht das es das letzte Wochenende des Cannstatter Volksfest war, ohje…

    auf jeden Fall war die Erkenntnis, dass da wohl einige Häuser schön abbrennen würden, weil, wenn ich da in vielen Straßen mit einem 2,5m breiten WoMo nicht durch passe, passt ein 2,5m breiter Feuerwehrwagen auch nicht.

  • Gina sagt:

    Stuttgart ist schön, ohne Zweifel. Also… noch. Ich mag diese Stadt, sie kommt für mich gleich nach Freiburg von der Attraktivität und dem „Kneipenwesen“ aus betrachtet. Schlimm ist es natürlich dort, wo der Verkehr durchwalzt, von Daimer-Werk zu Zuliefererwerk und zurück. Die B14 ist einfach nur grausig.

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