Bologna liegt nicht in Italien, sondern im Argen!

24. April 2011 § 2 Kommentare

Eigentlich ist so ein Studium ja eine total gemütliche Sache. Man geht am Einschreibungstag in die Uni, immatrikuliert sich, legt 25 Mark auf den Tisch für AStA und was auch immer, faltet sein Leporello, kauft ein paar Mensamarken (Essen 2 ist teurer, aber um Welten besser, schmeckt in der LMU leider aber nicht, in der TU dagegen geht´s so und die Portionen sind größer), geht in den Englischen Garten, legt sich mit ein paar Kumpels Kommilitonen ins Gras, lässt eine Büchse Bier und einen Joint kreisen und benimmt sich ab jetzt wie ein Student. 34 Acht Semester später schreibt man eine Prüfung und eine Diplomarbeit und beginnt nach einer langen Selbstfindungsauszeit in Indien, Vietnam oder Lateinamerika, sich auf dem Arbeitsmarkt umzusehen. (…)

Ups, da bin ich wohl um ein paar Jahrzehnte in meiner Träumerei verrutscht!? Und schon steht sie vor mir, die Realität: Anwesenheitskontrollen, Projektarbeiten, Pflichtseminare, Praktia, Hausarbeiten, Klausuren, Klausuren, Klausuren… Okay, das Studentendasein anno 1980-er Jahre konnte nicht bleiben, wie es war. Es war einfach zu schön, um wahr zu sein! Allerdings muss ich gestehen, dass ich so uncool war, mein Erststudium in der Regelsemesteranzahl bewältigt, ein Stipendium gehabt, nebenbei gejobbt und leider nur selten im Englischen Garten relaxed zu haben. Auch die Münchner Studentenkneipen mussten weitgehend ohne mich auskommen, weil ich ein Streber war. Auch die Selbstfindung blieb mir erspart. Das zweite Mal war noch viel belangloser und lief parallel zum Job, wiederum also ohne Coolnessfaktor, dafür mit einer Diplomnote von 1,7, was mir extrem gestunken hat.

Jetzt, genauer, vor ein paar Jahren schon, will ich es immer noch (oder wieder mal?) wissen und hänge noch ein bewusstseinerweiterndes Drittstudium an: Psychologie. Weil ich das mit dem Dipl.-Psych. allerdings verpennt bzw. die Umstellungsfrist überschritten habe, muss ich mich nun mit B. Sc. und M. Sc. herumschlagen – und das nervt! Ich habe nun mal den unmittelbaren (wenngleich schon einige Jahre zurück liegenden) Vergleich mit den guten alten Diplomstudiengängen, die im Gegensatz zu heute, gut strukturiert, übersichtlich und transparent waren. Das Gemurkse a là Bologna ist einfach nur ein noch immer unausgegorener Rohrkrepierer. Sag´ ich ganz frisch und frei heraus. Und jetzt werfen Sie mal einen Blick darauf, was ein Bachelor der Psychologie lernen und auch noch richtig gut benotet bekommen muss, um zum Masterstudium zugelassen zu werden. Und erst dieser Abschluss ist vergleichbar mit dem Diplom! Und dauert in Summe ein Jahr länger…

Grundlagendisziplinen

  • Allgemeine Psychologie: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Denken, Sprache, Lernen, Gedächtnis, Motivation und Emotion
  • Biopsychologie: Anatomische und physiologische Grundlagen menschlichen Verhaltens und Erlebens sowie physiologische Effekte psychologischer Prozesse
  • Entwicklungspsychologie: Veränderungsprozesse über die Lebensspanne
  • Geschichte der Psychologie: Historische Entwicklung der Psychologie als eigenständige Wissenschaft
  • Kulturvergleichende Psychologie: Gemeinsamkeiten und Unterschiede menschlichen Verhaltens und Erlebens in verschiedenen Kulturen
  • Methodenlehre: Verfahren der Datenerhebung und der Datenauswertung, Untersuchungsplanung und Wissenschaftstheorie
  • Persönlichkeitspsychologie und Differentielle Psychologie: Individuelle Besonderheiten und interindividuelle Unterschiede
  • Sozialpsychologie: Beeinflussung von Verhalten, Erleben und Urteilen durch den sozialen Kontext
  • Vergleichende Psychologie: Verhalten von Menschen und Tieren im Vergleich

Anwendungsdisziplinen (hier hat man die Qual der Wahl aus drei Schwerpunkten bzw. muss eine Uni finden, die das Gewünschte anbietet und einen auch kombinieren lässt)

  • Arbeits- und Organisationspsychologie: Wechselbeziehungen zwischen Arbeits- und Organisationsbedingungen und menschlichem Erleben und Verhalten
  • Evaluation: Untersuchungspläne und Verfahren zur Überprüfung von Interventionen im Hinblick auf zu definierende Standards und Kriterien
  • Gesundheitspsychologie: Personale, soziale und strukturelle Einflussfaktoren für die körperliche und seelische Gesundheit.
  • Gerontopsychologie: Besonderheiten psychischer Funktionen im höheren Alter
  • Klinische Psychologie: Bedingungen von Krankheit und Gesundheit sowie Entwicklung von verhaltens- und erlebensverändernden Interventionen
  • Markt- und Werbepsychologie: Bedürfnisse und Wünsche von Konsumenten
  • Medienpsychologie: Menschliches Erleben und Verhalten im Zusammenhang mit der Nutzung von Medien
  • Neuropsychologie: Neuronale Bedingungen psychologischer Prozesse
  • Pädagogische Psychologie: Pädagogisch beeinflussbare Kompetenzen, Fertigkeiten, Überzeugungssysteme und Werthaltungen.
  • Psychologische Diagnostik: Anwendung psychologischen Wissens auf den Einzelfall; Beschreibung, Erklärung und Prognose von Verhalten
  • Rechtspsychologie: Anwendung der Psychologie auf das Rechtswesen
  • Rehabilitationspsychologie: Anwendung psychologischer Kenntnisse in der Rehabilitation
  • Umweltpsychologie: Einstellungen zur Umwelt und Umweltbewusstsein, umweltbezogenes Verhalten und Gestaltung eines ökologisch gesunden Lebensumfeldes
  • Verkehrspsychologie: Wechselbeziehungen zwischen menschlichem Erleben und Verhalten und technischen Verkehrssystemen sowie dem Verkehrsumfeld.

Und nun? Ich hoffe, Sie bemitleiden mich. Danke.

Quelle der Aufstellung: Psychologie.de

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