Die Karotte vor der Nase

11. Mai 2011 § Ein Kommentar

Mich nerven Autoren, die – in welcher Form und in welchem Medium auch immer sie ihr Wissen oder ihre Gedanken zum Besten gegeben – , eine Frage aufwerfen, auf der zwei- bis dreimal herum kauen und sie dann gelangweilt fallen lassen oder sich in seichtem Geplauder verlieren. Als LeserIn kommt man sich dann vor, als sei man zu blöd, dem Beitrag entnehmen zu können, wie denn nun die Antwort oder wenigstens die These lautet. Dabei ist das, was da angerissen wird, oftmals durchaus interessant und böte reichlich Diskussions- oder Aufklärungsstoff. Warum also geht der Urheber nicht den eingeschlagenen Weg weiter? Will er nicht, weil er sein Wissen für sich behalten möchte? Motto: Wenn ich alles verrate, kauft ja keiner mehr meine Bücher, engagiert mich als Dozent, bucht mich als Berater?

Das ging mir spontan durch den Kopf, als ich den unten vollständig aus der Zeit zitierten Beitrag von Martin Wehrle las. Ärgerlich, wie er mich erst neugierig macht auf ein Thema, das mich selbst betraf und noch immer betrifft – und mich dann hängen lässt. Und da ich den Artikel in der gekauften Printausgabe las, habe ich sogar dafür bezahlt und ihn nicht etwa kostenlos im Web konsumiert (dann würde ich ja verstehen…).

Also, lieber Herr Wehrle, ich erwarte eine Fortsetzung. Und sollten Sie mich nun auf Ihre inzwischen wirklich zahllosen Bücher verweisen: Nein danke! Ich mag keine Appetizer, die verderben mir den Hauptgang. Und auf den kommt´s doch an, oder?

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Das Zitat… und Ihr Gewinn

Mit Talentreichtum fertig zu werden ist auch ein Problem (frei nach Ludwig Erhard)

Wohl dem, der nur über ein herausragendes Talent verfügt! Diese Begabung hebt sich bei ihm wie ein Gipfel aus dem Flachland. Niemand kann sie übersehen, er selbst am wenigsten. Wer zum Beispiel leicht überzeugt, ist der geborene Verkäufer. Wer perfekt tüftelt und ein Händchen für Technik hat, startet als Ingenieur durch.

Aber was tut jemand, der mit mehreren Begabungen in ähnlicher Dosis gesegnet ist?

Mit Talentreichtum fertig zu werden ist auch ein Problem (frei nach Ludwig Erhard). Paradoxerweise kann der vielfach Talentierte zunächst talentlos scheinen: Wo ein Gipfel neben dem anderen steht, hebt sich keiner ab – relatives Flachland.

Im Beruf zieht es die vielseitig Begabten in mehrere Richtungen: Eine Herausforderung als Topmanager, eine Karriere als Wissenschaftler, eine Laufbahn als Schriftsteller – vieles scheint gleichermaßen attraktiv. Während der einseitig Talentierte seine ganze Energie auf eine Herausforderung legt, zerstreut der vielseitig Begabte oft seine Kraft.

Er wird zu einem Zehnkämpfer, der jede Disziplin ein wenig beherrscht, aber keine richtig gut.

Sein Lebenslauf kann der Gehspur eines Betrunkenen gleichen: Er torkelt von einem Feld ins andere, bis man ihn nicht mehr als Begabten, nur noch als Schwankenden wahrnimmt.

Personaler-Urteil: »Der weiß nicht, was er will!«

Erfolg im Beruf ist eine Frage der Konzentration. Rekorde werden nicht von Zehnkämpfern, sondern von Spezialisten erzielt. Wer vielseitig begabt ist, sollte frühzeitig prüfen: In welche Richtung zieht es mich am stärksten? Dieser Weg bietet sich für die Karriere an. Die anderen Talente kann man pflegen, aber besser außerhalb des Berufes.

Interessant sind übrigens auch die Kommentare zu diesem Beitrag.

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