Fatale Gratiskultur im Web

23. Mai 2011 § 9 Kommentare

Regelmäßig schwillt mir der Kamm, wenn ich im Internet lese, dass das Web frei sei und frei zu bleiben habe – vor allem natürlich seine Inhalte. Folgerichtig wird kopiert und für eigene Zwecke verwendet, was immer man findet und brauchen kann. Dass das, was man da so sorglos nutzt, auf die Kreativität eines Menschen zurückzuführen sein könnte und nicht nur auf mittels Maschinenleistung automatisiert zusammengeschusterten Daten, ist dabei keinen weiteren Gedanken wert. Ebenfalls nicht die Tatsache, dass der Urheber des Textes, Bildes oder Filmes das nicht nur aus Spaß an der Freud´ tun könnte, sondern (auch), um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Wie würde das Netz aussehen, wenn Informationen allein von Bloggern verbreitet, eingeordnet, bewertet würden? Ich spreche keinem Blogger Sach- und Fachwissen ab – aber Neutralität! Das liegt in der Natur der Dinge und ist auch im LATRINUM nicht anders: Beiträge haben mindestens eine Färbung. Wer aber sorgt dafür, dass das ganze Farbspektrum beleuchtet wird? Profis wie Journalisten, Redakteure, Fotografen, Filmer. Sie sind nicht zwangsläufig klüger, kreativer, besser, aber sie haben ethische, moralische und medienrechtliche Grundsätze zu befolgen, die Blogger ignorieren dürfen (meiner Ansicht nach allerdings nicht sollten). Und weil ich finde, dass Eigentum – auch geistiges! – respektiert gehört, weil ich weiß, dass Inhalte eben nicht immer gratis sein können, bezahle ich dafür. Oder ich lasse die Ware eben im Regal stehen. Das Internet ist frei betretbar wie ein Laden, man kann stöbern und schauen, darf in die Hand nehmen und anprobieren. Aber darf ich mich einfach bedienen und fröhlich pfeifend an der Kassiererin vorbei den Laden verlassen? Wie lange wohl wäre in diesem Laden noch Qualität zu haben?

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§ 9 Antworten auf Fatale Gratiskultur im Web

  • fragestellung sagt:

    Ich könnte mich deiner Argumentation anschließen, würde ich mich nicht zunehmend über schlechte Berichterstattung der Bezahlmedien ärgern. Beim Lesen der ZEIT geht mir regelmäßig die Galle hoch. Für den Spiegel gilt das schon lange. Argumentationen sind unausgewogen und häufig fehlt es an Sachverstand. Wir brauchen einen besseren Journalismus, als den jetzigen, der häufig auch nur übersetzt und kopiert.

  • Erstaunlich finde ich immer wieder, dass es die Klauer völlig normal finden, solange sie selbst nicht beklaut werden. Tut man es einmal, rein zur Demonstration, gibt es einen riesigen Aufschrei! „Die kann doch nicht …“ und „Das ist ja wohl …“. Manchmal kann es eben nicht schaden, sich einmal kurzfristig auf das gleiche Niveau zu begegen. Anders kapieren es einige wohl nie.

    Was den Journalismus im ursprünglichen Sinne betrifft, vermisse ich diesen schon lange. Journaille ja aber Journalismus? Sachlich, neutral, aufklärend? Fehlanzeige. Stattdessen meist unsachlich, Meinung machend und Panik schürend, wimmelnd vor Fehlern in jeder Hinsicht. Für interessierte Leser grenzt das m. E. oft genug an potentieller Beleidigung. Ebenfalls in jeder Hinsicht. Wenn ich sehe, wie viele Beiträge einfach nur so hingerotzt werden … Dann lieber selbst schreiben! ;o)

  • Jojo sagt:

    Natürlich kann man über Journalisten lästern, das kann man über Politiker und Manager, über jeden und alles. Aber das ändert nichts daran, dass Zeug im Web zusammengeklaut wird, dass es einem graust! Ich z.B. bin Fotograf und verdiene Geld damit bei Veranstaltungen Bilder zu schießen und die dann an die Teilnehmer zu verkaufen. Es gibt kaum ein Mittel dagegen, dass die Fotos eben einfach geklaut werden, schließlich muss ich sie ja zeigen, bevor sie gekauft werden. Nehme ich im Laden eine Jeans, probiere sie an und gehe ohne Zahlen damit? Wohl kaum. Im Web scheint alles frei. Und damit sinkt die Zahl derer, die etwas in hoher Qualität anbieten wollen. Alles wird billig oder gleich gratis. Und das ist ein Kreislauf, der so nicht funktionieren wird. Print geht in die Knie, Online wird Glumpp – außer wir bezahlen dafür. Dann können Leute wieder leben davon und die Qualität passt wieder. Werbefinanziert ist gut und schön, auch ein Geschäft. Aber allein geht das nun mal nicht gut. Und klauen geht gar nicht!

  • Dieter M. sagt:

    Diese Selbstbedienungsmentalität Internet geht mir schon lang auf den Sack! Wir Onlinejournalisten werden mit 10€ je 500-Zeichen-FACH!!!-Artikel abgespeist (PC-Welt) und dann wird auch noch copy/pasted dass es einem die Sinne vernebelt. Woher soll guter Content denn kommen? Für lau arbeitet kein Mensch.

  • Carsten sagt:

    Ich ackere selbst als freier Autor. Man kann seine Texte noch so sehr unter Urheberrecht stellen, gestohlen werden sie ja doch – VON KOLLEGEN!!! Blogger verstehe ich ja noch und wenn sie die Quelle angeben, sag ich auch nix. Aber mit meinen Texten Geld verdienen ist einfach nur Betrug, Diebstahl und was auch immer.

  • Anja sagt:

    Es ist halt einladend.

  • Hennes sagt:

    Die Anonymität im Web schützt und straft.

    Man tippt selten was aus Büchern ab und verkauft es als Eigenes.

    Und man klaut niemandem was, wenn man ihn dabei anschaut.

  • twixraider sagt:

    Wer mit ehrlicher journalistischer Arbeit Geld verdienen will, ist Web grundverkehrt. Das Geschäftsmodell des digitalen Informationshandels ist werbefinanziert, hauptsächlich werden PR-Meldungen umverpackt und als redaktionelle Beiträge bzw. die User für dumm verkauft. Die ethischen, moralischen und medienrechtlichen Grundsätze könnt ihr euch in die Haare schmieren, die existieren schon lang nur noch auf dem Papier…

  • Can I just say what a relief to find someone who actually knows what theyre talking about on the internet. You definitely know how to bring an issue to light and make it important. More people need to read this and understand this side of the story. I …

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