Lange Leitungen in Landsberg am Lech

3. Juni 2011 § Ein Kommentar

Die Landsberger Regenten werden ihren Autokennzeichen wirklich gerecht: LL – Lange Leitung. So sehr sie sich auch um die Schaufensterwerbung in der Altstadt kümmern, wofür aufwendige Regelungen erfunden und Ordnungspersonal mit dem Auftrag der millimetergenauen Kontrolle der Einhaltung auf die Straßen geschickt wird, so sehr lassen sie sich – sorry für die Wortwahl – verarschen, wenn es um die Ansiedelung von Unternehmen geht. Die Steuermünzen, die man schon im Stadtsäckel klirren hört und die Aussicht, Arbeitsplätze zu schaffen, macht die Gewählten blind und taub für Argumente und Einreden.

So holzte man den Frauenwald ab und baute Straßen (und versprach dummerweise ebenso laut wie erfolglos, der Bahn ein Gleis abspenstig zu machen), um einen holzverarbeitendem Großbetrieb aus Österreich anzulocken, der 1.000 Mitarbeiter beschäftigen und mit großzügigen Gewerbesteuerzahlungen die Finanzen der schönen Kreisstadt am Lech sanieren sollte. Fehlanzeige. Kaum wurde der Betrieb aufgenommen, gab´s Ärger: Nächtlicher Lärm, der die Anwohner in kilometerweitem Radius aus dem Schlaf riss, Gewinnabführungsverträge, die auch die lautesten Pro-Stimmen in verlegenes Contra umschlagen ließ, kurz darauf Kurzarbeit Null, Entlassungen, arbeitsrechtliche Probleme – und schließlich der Verkauf des Unternehmens für lau an einen russischen Konzern.

Kaum von dem Tiefschlag erholt (Politiker erholen sich schnell und der OB der Stadt Landsberg hat alle Eigenschaften, die einen Politiker auszeichnen!), kam Edeka mit Plänen auf die Stadt zu, ein Regionallogistikzentrum bauen zu wollen. Wieder wurden Bäume gerodet, wieder freute man sich. Renomee!  Steuern! Arbeitsplätze! Letztere sorgen bei der Bevölkerung schließlich doch immer für, wenngleich murrende Zustimmung. Neben Langholz würde nun eben auch noch Lebensmittel durch die Dörfer geprügelt, aber wenn´s doch der Wirtschaft dient…

Und nun? Steht auf der Baustelle alles. Kein Hammerschlag zu hören, kein Arbeiter zu sehen. Man habe sich entschieden, tönt es aus der Edeka-Presseabteilung, nun doch kein Regional-, sondern ein deutlich größeres Zentrallager zu bauen. Und das zudem vollautomatisiert. Arbeitsplätze? Nun… Nein. Keine. Dafür mehr LKW, mehr Stau, mehr Unfälle, mehr Emissionen, mehr Stress für die Anwohner. Gewerbesteuern? Wer daran noch glauben mag, muss Ingo Lehmann heißen und Bürgermeister von Landsberg sein. Alle vernünftigen Menschen nämlich ahnen, dass auch diesmal kein Reichtum winken wird.

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§ Eine Antwort auf Lange Leitungen in Landsberg am Lech

  • twixraider sagt:

    Haha, da muss wohl was in unserem bayrisch-schwäbischen Wasser sein, selbiger Spass läuft gerade in der Gemeinde Graben ab, da sind es Amazon, Lidl und noch einer. Zumindest Amazon wäre in Gersthofen besser aufgehoben, da sitzt nämlich schon die DHL. Aber Graben übernimmt ja nicht nur die infrastrukturelle Anbindung, sondern verkauft seinen Grund für’n Appel ohne Ei. Weil nämlich wirklich was im Grundwasser ist, ein Rekordwert an Cäsium. Kleines Souvenir von 1986, Landwirtschaft ist nicht wirklich empfehlenswert, unser wühlender Freund, die Wildsau, nicht zum Verzehr geeignet. Wer da baut, wirbelt ungesunden Staub auf. Und ganz abgesehen davon sägt Facebook schon fleissig am Thron von Amazon. Wenn Zuckerberg mit seinem Facestore und an der Börse ernst macht, purzelt die Amazon-Aktie in den Keller… und wenn wir schon beim Unken sind, hier ein Leckerli aus deiner Branche:
    http://twixraider.wordpress.com/2011/06/15/spitzfindig/

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